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18 Oktober 2016

Phasen einer Gruppenentwicklung (Bernstein/Lowy)


Phase 1: Orientierungs-Phase

Am Anfang herrscht in neu zusammengestellten Gruppen oft eine große Unsicherheit. Die Mitglieder orientieren sich in dieser Zeit stark an bereits bekannte Kontakte, jedoch am stärksten an den Gruppenleiter. Es wird gehofft, dass dieser die kommenden Abläufe strukturieren wird. Erste Versuche Kontakte aufzunehmen und/oder Sympathien zu überprüfen beinhalten oftmals oberflächliche Gesprächsthemen. Die einzelnen Mitglieder halten sich am Anfang zurück und versuchen sich zunächst anzupassen, währenddessen sie die anderen Mitglieder beobachten und ihre Verhaltensweisen überprüfen. Häufig werden bereits am Anfang Personen abgelehnt die negativ auffallen, durch Provokation oder allzu dominantem Verhalten.


Phase 2: Machtkampf-Phase

In der Machtkampfphase vertiefen die Mitglieder der Gruppe bereits geknüpfte Kontakte und versuchen ihre eigene Funktion bzw. Rolle in der Gruppe zu finden. Jeder bemüht sich eine gute Stellung innerhalb der Gruppe zu bekommen. Durch das Hervorheben eigener Stärken werden Verbündete gesucht, um eigene Interessen durchzusetzen.
Trotz des Begriffs Machtkampf kann diese Phase friedlich verlaufen, wenn zB. die Mitglieder sich bereits kennen und nur die Gruppe ihre Stellung verändert (wie wenn eine komplette Klasse ohne Veränderung in die höhere Stufe aufgenommen wird) oder von vorne rein die Rollenverteilung klar ist. Dennoch können in dieser Phase auch Rivalitäten entstehen (Konkurrenzdenken) und viele Konflikte ausbrechen, da die einzelnen Mitglieder noch nicht aufeinander eingestellt sind und es zu vielen Missverständnissen kommen kann. Regeln die am Anfang vom Gruppenleiter aufgestellt wurden, werden nun auf ihre Wirksamkeit hin getestet und gegebenfalls ausgebessert.
Für manche Gruppen ist es sehr schwierig diese Phase jemals zu überwinden da einige Mitglieder immer wieder in gewisse Identitätsfindungen zurückfallen.


Phase 3: Vertrautheits- und Intimitäts- Phase 

Die Gruppe kennt sich nun schon besser und entwickelt ein Wir-Gefühl. Jeder hat seinen Platz in der Gruppe gefunden und alle Mitglieder haben ihre anfänglichen Ängste abgebaut und verfügen über Lösungen aufkommende Konflikte entgegenzutreten. Probleme können in der Gruppe oder mit einzelnen Personen offen angesprochen und aufgeklärt werden.
Da sich die einzelnen Mitglieder mit ihrer Gruppe identifizieren, lehnen sie auch Zusammenarbeiten mit anderen Gruppen ab. Die Gesamtleistung ist nun am höchsten. In dieser Phase wird es auch zunehmends schwieriger neue Mitglieder in die Gruppe zu integrieren.


Phase 4: Differenzierungs-Phase

Wenn alle Gruppenmitglieder die bisherigen Phasen gut durchlaufen haben, entwickelt sich auch die Fähigkeit sich anderen Gruppen zu öffnen und mit ihnen zu kooperieren. Dennoch steht die eigene Gruppenaufgabe bzw. Bestimmung weiterhin im Vordergrund. Die Gruppenregeln vom Anfang sind mittlerweile so verbessert und auf die Gruppenbedürfnisse angepasst worden, dass sie von jedem Mitglied der Gruppe getragen werden und Wert auf deren Einhaltung gelegt wird. Die Eigenheiten und Talente der einzelnen Mitglieder werden als Bereicherung wahrgenommen.


Phase 5: Abschluss- Phase (nur bei langfristigen Gruppen relevant)

Eine Gruppe löst sich auf, wenn das Gruppenziel (zB. angestrebter Abschluss) erreicht wird und somit nicht mehr länger lukrativ ist, da nach dem Erreichen des Ziels jeder seinen eigenen Weg geht und man sich wieder auseinander lebt oder neue Gruppen entstehen. Je nach persönlicher Bindung an die Gruppe kann diese Trennung schmerzhaft sein. Bei Abrupter Beendigung einer Gruppenkonstellation wird oft nach einem Schuldigen/Verantwortlichen gesucht.


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